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Am Nordrand des Rhinluchs liegt das 1445 erstmals als „to Walchou“ (Dorf eines Walech) genannte Straßendorf. Besiedelt war die Gegend um Walchow wohl bereits zur Mittelsteinzeit, zumindest datiert man einen Fundplatz in diese Zeit (8800 bis 4500 v. Chr.).

Die kaiserliche Armee unter Gallas brannte das Dorf im 30jährigen Krieg bzw. 1638 vollständig nieder. Dem brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm ist es zu verdanken, dass der Ort in den Jahren 1652 und 1699 mit 13 holländischen und Pfälzer Familien wieder besiedelt wurde.

Am 1. Dezember 1661 ging Walchow in das Eigentum des Kurfürsten über und blieb bis in die Neuzeit unter direkter Verwaltung der „Krone“, was am fehlenden Gutshaus und großen Bauernhöfen, sogenannten „Märker-Höfen“ sichtbar wird.

Im Juli 1779 besucht Friedrich II. (der Große) Walchow im Rahmen einer Inspektionsreise.

Walchow gehörte seit dieser Zeit vollständig zum Amt Ruppin. Davor hatten u.a. auch die von Wuthenow, die von Zieten und die von Gladow Besitzanteile. Durch den Torfabbau im Rhinluch entwickelte sich Walchow zu einem wohlhabenden Dorf mit über 300 Einwohnern. Ursprünglich gehörte auch Dammkrug zu Walchow (seit 1994 zu Langen). Heute ist Walchow ein Ortsteil der Gemeinde Fehrbellin.

Großwüchsige Linden, Eichen und Kastanien säumen heute die Dorfstraße, an der einige stattliche Bauernhöfe aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts liegen.

2003 konnte die Erneuerung der Dorfstraße und 2016 des Stöffiner Weges abgeschlossen werden. Dazu gehören auch die neue Straßenbeleuchtung, die Trinkwasserleitung (1995), die Schmutzwasserkanalisation und eine Buswartehalle. Weiterhin wurden in den letzten Jahren das Feuerwehrgebäude, das Gemeindehaus und das Kriegerdenkmal (2002) saniert sowie ein Festplatz hergerichtet. Im Jahr 2016 wurden durch den Dorfverein Blumenrabatte an beiden Seiten der Dorfstraße aufgestellt.

Die Dorfkirche wurde 1851/1852 erbaut. Es ist ein neugotischer Bau aus Ziegel mit einem Westturm. Die Kirche ist ein Saalbau, im Osten befindet sich eine Apsis und ein Staffelgiebel. Die Ausstattung im Inneren ist aus der Bauzeit.

Kirche von Walchow https://i0.wp.com/www.pfarrhaus-walchow.de/p_dorfkirche_g.jpg https://i1.wp.com/www.pfarrhaus-walchow.de/p_dorfkirche.jpg

Der neogotische Sichtziegelbau mit hoch aufragendem Westturm steht zurückgesetzt nördlich der Dorfstraße westlich der Ortsmitte. Der sie umgebende, heute noch belegte Kirchhof ist von einer Ziegelmauer eingefasst und mit mehreren Gehölzen (Lärchen u.a. Koniferen, Linde, Eiche) bestanden.

Walchow war eine mit zwei Hufen ausgestattete Mutterkirche (1541) mit Tochterkirche in Buskow. Sie gehörte zur Superintendentur Neuruppin. Das Patronatsrecht besaß zu drei Vierteln die Familie von Wuthenow und außerdem die Familie von Zieten, später der König bzw. Fiskus. Heute ist sie Filialkirche von Protzen.

Der Kirchenneubau von 1851/52 ersetzte einen Vorgänger, der bald nach dem 30jährigen Kriege durch Holländer erbaut worden war – eine Feldsteinkirche auf rechteckigem Grundriss mit aufgesetztem Westturm aus Fachwerk. Schon 1818 reichte Landrat Zieten einen Entwurf zur Erweiterung der bestehenden Kirche ein. 1840 entschied sich der Gemeindekirchenrat für einen Neubau, dem im selben Jahr zunächst ein Entwurf vom Zehdenicker Bauinspektor Hermann zum Ausbau der Kirche und einem neuen Turm folgte. Entwürfe für einen Neubau legte 1845 und etwas verändert 1846 Bauinspektor Treptin aus Gransee vor, die in ihrer Gestaltung zwar dem heute bestehenden Bau entsprechen, jedoch eine Ausführung in Feldstein vorsahen. Auf Grundlage dieses Entwurfs legte Bauinspektor Gerndt 1851 einen geänderten Plan vor, nun in Sichtziegelbauweise. Der Rohbau war 1851 fertiggestellt, die Bauabnahme erfolgte im Herbst 1852. Die Ausführung beaufsichtigte Bauleiter Otto aus Oranienburg. 1868 wurden Uhrkammer und Turmtreppe angelegt (die Glocken hingen ursprünglich im darüber liegenden, oktogonalen Aufsatz). Die letzte Restaurierung (u.a. Erneuerung der Farbfassung) war 1992 abgeschlossen.

Der rote Sichtziegelbau ist eine schlichte Saalkirche auf einem Feldsteinsockel aus sorgfältig gearbeiteten Steinquadern. Im Osten Staffelgiebel und polygonale Apsis. Der eingezogene quadratische Westturm besitzt Ecklisenen und einen oktogonalen Aufsatz mit abschließendem schiefergedeckten Spitzhelm. Die Längsseiten sind jeweils durch hohe, schräg eingeschnittene Spitzbogenfenster gegliedert, die Traufgesimse durch abgetreppte Konsolfriese betont.

Im Inneren folgt auf die kreuzgratgewölbte Turmvorhalle der schlichte Saal mit flacher Holzbalkendecke (aufgelegte moderne Nut- und Federbretter). Darüber das Dachwerk, eine Hängekonstruktion mit Firstpfette. Um zwei Stufen erhöhte Apsis mit Kreuzgratgewölbe. Der angedeutete Triumphbogen und die Spitzbögen der Fenster werden von aufgeputzten Rippen begleitet, die auf Engelskonsolen ruhen. Fenster mit einfachem Holzmaßwerk. Die Westempore ruht auf abgefasten Holzstützen und besitzt eine kassettierte Holzbrüstung. Darunter die später eingebaute Winterkirche. Schlichtes Gemeindegestühl in zwei Blöcken. Fußboden mit Ziegeln (unter dem Gestühl) sowie quadratischen roten und beigen Tonfliesen ausgelegt.

Ausstattung:

  • Altar, Kanzel, Taufe und Liedertafel. 1852. Holz. Neogotische Formen.
    Angefertigt von Tischlermeister Dreusicke aus Neuruppin. Der Altar
    rechteckig, Taufe und Kanzel (Kanzelfuß verkürzt) oktogonal. Die
    Seitenflächen jeweils mit Spitzbogenblenden versehen.
  • Orgel. 1882. Orgelbaumeister Albert Hollenbach, Neuruppin. Gestiftet von
    Kirchenpatron Friedrich Hölsche (a, i). Dreiteiliger neogotischer Prospekt mit
    Maßwerk und Fialen mit Kreuzblumen.
  • Kronleuchter. Um 1900. Messing.
  • Glocken. 1924 (i). Zwei Gussstahlglocken der Firma Ulrich & Weule aus
    Bockenem mit Inschrift. Die ursprünglichen Glocken 1852 von der Firma Rubon
    Berlin.

Mit ihrem hoch aufragenden Westturm bildet die Dorfkirche einen Blickfang im Walchower Ortsbild und dessen Mittelpunkt. Zusammen mit der Leichenhalle und dem Spritzenhaus entsteht ein reizvolles Ensemble aus roten Ziegelbauten von geschlossener Wirkung. Mit ihrer auffallenden Schlichtheit und der Reduktion auf einfache Formen ist die in der Mitte des 19. Jh. errichtete Kirche eine Ausnahme.

Die Kirchenglocken läuten zweimal täglich um 12.00 und um 17.00 Uhr (stets eine Glocke), an Sonnabenden wird das Wochenende um 17 Uhr mit 2 Glocken eingeläutet.

Bemerkenswert ist auch der umgebende Kirchhof mit dem aufwendigen Grabmal Hölsche-Zerahn.  Die Grabstätte wurde 1868 errichtet. Sie wurde für Erdmann Friedrich Theodor Hölsche, den Sohn des Dorfschulzen Theodor Friedrich Hölsche erstellt. Für die Familie Zerahn befinden sich Gedenktafel auf der Grabstätte.Während in anderen Orten die Funktion der Kirchhöfe als Begräbnisplatz meist aufgegeben wurde, blieb sie hier bewahrt und wird von den Walchowern gepflegt.

http://ns.gis-bldam-brandenburg.de/ImageService/getImage?fileName=OPR-Walch-GrabHZ.jpg Grabstätte Hölsche-Zerahn Walchow Fehrbellin.jpg

Das Wohnhaus und das Stallgebäude in der Dorfstraße 11 sind Teil eines ehemaligen Vierseithofes. Das Wohnhaus ist ein eingeschossiges, traufständiges Haus mit einem Satteldach. In der mittleren Achse von sieben Achsen befindet sich der Eingang. Das Stallgebäude wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut.

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Das Gehöft in der Dorfstraße 15 wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut. Es war mal ein Vierseithof. Es ist ein eingeschossiger, traufständiger Bau mit sieben Achsen. In der mittleren Achse befindet sich der ehemalige Eingang, er ist heute zugemauert.

Im September 1873 weilt Fontane im Pfarrhaus zu Walchow, um dort mit dem Superintendenten Ernst Kirchner, dem Großvater des Malers Ernst Ludwig Kirchner, ein Gespräch zu führen. Walchow, insbesondere das Pfarrhaus zu Walchow, werden in den Wanderungen, Band Grafschaft Ruppin, erwähnt und beschrieben. Eine entsprechende Hinweistafel am Haus verweist auf diese Begebenheit.

Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg:

„Die eigentliche Sehenswürdigkeit Walchows ist aber doch seine Pfarre. Hier wohnt Superintendent Kirchner, ein Sechziger, rüstig im Leben, im Amt und in der Wissenschaft. Fest und freundlich, gekleidet in den langen Rock des lutherischen Geistlichen, das angegraute Haar gescheitelt und in zwei Wellen über die Schläfe fallend, erinnerte mich sein Auftreten an das jener dänischen Pfarrherren, deren mir, während des vierundsechziger Krieges, so viele, von der Koldinger Bucht an bis hinauf an den Limfjord, bekannt geworden waren.“

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Der ehemalige Pfarrhof zu Walchow besteht aus einem Gebäude-Ensemble, dem Wohnhaus einem Wirtschaftsgebäude und einer Scheune. Dahinter erstreckt sich der ehemalige Pfarrgarten, ein Wiesengrundstück mit altem Baumbestand und Beerensträuchern. Die Nebengebäude wurden in der Vergangenheit vielfältig genutzt, neben einer landwirtschaftlichen Nutzung diente das Wirtschaftsgebäude zu DDR-Zeiten zeitweise auch als Kindergarten. Das Wohnhaus bot zeitweise Unterkunft von bis zu 4 Familien die in der umliegenden Landwirtschaft beschäftigt waren.

Heute wird das 5 Räume, Küche und Bad umfassende Wohnhaus, ebenso die Räume im Wirtschaftsgebäude (Büro, Bad/Toilette) privat genutzt.

 

 


Quellen:


Fotos:

  • D.Hoffmann
  • B.Schmidle
  • Gemeinde Fehrbellin
  • Clemensfranz, CC-BY-SA 4.0